Der WB gratuliert Portugal zum EM-Titel

Hier noch einmal die entscheidende Szene im EM-Final: Éderzito António Macedo Lopes, kurz Eder, schiesst Portugal in der 109. Spielminute ins Glück. Es ist der erste Titel in der Geschichte der Selecção.

Advertisements

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro

Unsere WB-Verlags- und Marketingassistentin Manuela Hafner freut sich auf den EM-Final. Kein Wunder: Sie ist eine grosse Bewunderin von Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro – für sie kurz: „Chregi Ronaldo“. Warum sie für den portugiesischen Superstar schwärmt, erklärt sie hier:

Vorab mal eines: Für mich ist Chregi Ronaldo der beste Fussballer der Welt. Das sage ich nicht nur, wegen seiner äusseren Erscheinung. Seit gestern Donnerstag ist er sogar Rekord-EM-Torschütze. Heute bin ich überzeugt, dass er wie kein zweiter an seine Kariere geglaubt hat. Aufgewachsen ist er in einfachen Familienverhältnissen auf der portugiesischen Insel Madeira. Das einzige was er hatte, war sein Talent und seinen eisernen Willen. Seine Teamkollegen haben immer wieder erzählt, dass Ronaldo als Erster im Training auf dem Platz steht und als Letzter geht. Ebenso fasziniert mich seine Gesundheit und seine Konstanz. Er ist praktisch nie verletzt, spielt immer. Ich kann mich nicht erinnern, dass je ein anderer Profifussballer so wenig verletzt ist und war wie Ronaldo. Und haben Sie bemerkt, dass Ronaldo für Real Madrid mehr Goals geschossen hat, als er Einsätze hatte? Na klar: Ich könnte noch seitenweise Lobeshymnen über ihn schreiben, denn über sein Äusseres habe ich noch nicht mal angefangen. Aber was mich ebenso beschäftigt: Wieso mag ihn eigentlich niemand? Wieso wird er wie kein Zweiter auf dem Feld ausgepfiffen? Die Antwort, er wirke arrogant und sei kein Teamplayer kann ich gar nicht nachvollziehen. Für sein gutes Aussehen kann er ja wohl nichts dafür. In Fan-Kreisen spricht man sogar davon,  dass die Männer eifersüchtig auf ihn sein sollen. Ich bin sehr gespannt, was seine Kritiker oder wie man jetzt sagt „Hater“ wohl sagen werden, wenn Portugal tatsächlich Europameister wird? Und stellen Sie sich vor, wenn Real Madrid nächstes Jahr als erster Club überhaupt zwei Mal in Serie die Champions League gewinnt? Vamos là Portugal & Hala Madrid

IMG_3296
Der Kater von Manuela Hafner: Aik. Ebenso CR7-Fan.

 

 

 

Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch

Die vier EM-Halbfinalisten sind bekannt. Dass Deutschland und Frankreich den Sprung unter die besten vier Teams schaffen, ist keine Überraschung. Portugal als Halbfinalist schon eher. Aber Wales? Dieses Team hatte kaum ein ernsthafter Fussballexperte auf der Rechnung. Zeit, den Fussballzwerg etwas näher vorstellen. Ein paar – zugegebenermassen völlig willkürliche zusammengestellte – Details zum 3-Millionen-Land  aus dem Vereinigten Königreich.

Der höchste Berg heisst Snowdon und ist gerade mal 1085 Meter hoch.

Weil Wales nie von den Angelsachsen erobert worden ist, gehören sie zu den sechs keltischen Nationen. Die anderen sind Schottland, Irland, Isle of Man, Cornwall und die Bretagne.

Der Nationalsport in Wales ist Rugby. Nicht Fussball.

Der teuerste Fussballer der Welt stammt aus Wales und heisst Gareth Bale. Er wurde im Sommer 2013 von Tottenham zu Real Madrid transferiert. Transfersumme: rund 100 Millionen Franken.

Jedes Jahr findet im 600-Seelen-Örtchen Llanwrtyd Wells in Wales die feucht-fröhliche Weltmeisterschaft im Morastschnorcheln statt.

Der längste (Ein-)Ortsnamen der Welt? Stammt aus Wales. Er heisst Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch. Der erste, der ihn fehlerfrei auf der Böttu-Redaktion aufsagen kann, erhält ein jähriges WB-Abo.

Quellen: http://www.wikipedia.ch, 11freunde.de

Wer hat’s erfunden?

Calivers Stefan_EM
Stefan Carlsson

Zugegeben: Nie zuvor hatte mich eine Fussball-EM im Vorfeld so kalt gelassen wie diesmal. Der Nackenschlag von Belo Horizonte lag zwar in vermeintlich schmerzlindernder Distanz von zwei Jahren zurück, aber nur schon die Vorstellung, Ähnliches nochmals erleiden zu müssen, raubte mir jede Vorfreude. Umso mehr Italien, mein langjähriger – stilistisch allerdings diametral anders gestrickter – europäischer Brasil-Ersatz, vermeintlich wenig Aussicht auf freudige Fussballtage bot. Nicht einmal Kollega Cavoli, in Sachen Italianità mein einziger Verbündeter in der Kick-and-Rush- und Kiki-Kaka-verseuchten WB-Redaktion, setzte mehr auf die Azzurri. Sein Abfall vom Glauben sei ihm vergeben, nicht aber sein unsäglicher Europameister-Tipp, den die zürnenden Fussballgötter am Montagabend mit dem verdienten rec.-sit bestraften!

Derweil, darauf möchte ich in aller Bescheidenheit hinweisen, meine Prognose – Island – eingeschlagen hat wie das hammermässige «Hu! Hu! Hu!» aus dem blauen Meer seiner Anhängersons und -dóttirs. Ja, liebe Leserinnen und Leser, hier auf diesem Blog stand es am 7. Juni 2016 blau auf weiss geschrieben: ISLAND! Darauf sehe ich mich mit aller Entschiedenheit hinzuweisen genötigt, nachdem die Herzen der gleichen Kolleginnen und Kollegen, die mich zunächst mit Spott und Häme eingedeckt hatten, inzwischen fast so heiss für die kickenden Wikinger glühen wie die Lava des Eyjafjallajökull. Ein Grossteil davon allerdings nach Glanz-und-Gloria-Kriterien wie blonde Haare, blaue Augen und lange Bärte. Nur: Als redlich arbeitender Journalist bin ich mir gewohnt, die Quellen meiner Recherchen zu benennen und Zitate als solche auszuweisen. Darum bitte sehr, ihr Island-«Fans» aller Landen: Wer hat’s erfunden???

Der blaue Traum geht weiter, in allen Varianten: Am Sonntag gegen die Bleus und danach im Halbfinale gegen die Azzurri. Am Schluss aber könnte einmal mehr Schwarz-Rot-Gold die Nase vorne haben und die grosse Feier in der Hauptstadt B. steigen. Denkt am Abend des 10. Juli an diese meine Worte. Aber unterlasst es nicht, die Quelle eurer Inspiration anzugeben, wenn ihr nach dem Endspiel plötzlich alle zu Belgien-Fans mutiert seid!

L’Italia non molla mai!

Cavoli Renato_EMHöre ich da von irgendwoher catenaccio? Italien hat gestern alle seine Kritiker ad absurdum geführt. Catenaccio? Von wegen. Die Azzurri waren klar besser  als Spanien, auch im Kreieren und Verwerten der Chancen. Ein wunderbares Spiel hat sie gezeigt, die Rentnerband um Buffon (38), Bonucci, (29) Chiellini (31), Barzagli (35) und De Rossi (32). Una partita tutta da sognare. Und der Traum geht weiter. Mit dem Irrwisch an der Seitenlinie, diesem Taktikfuchs Antonio Conte, der das Tiki-Taka der Spanier mit seinen bis aufs Blut kämpfenden, grätschenden, spielenden und angreifenden ragazzi zum brotlosen Tipp-Kick verkommen liess. Und jetzt am Samstag die Deutschen. Die Deutschen? Das wird ganz hart. Aber: Corraggio! L’Italia non molla mai! Forza ragazzi!

Jänu

Weber Stephan_EMAls bekennender England-Fan fühlen sich mir am Tag nach dem kläglichem Ausscheiden gegen Island untenstehende Kurz-Videos wie ein weiteres Stochern in einer tief sitzenden Wunde an. Ja, ohne Zweifel: Die  Niederlage schmerzt. Sorry fürs Kalauern: Gross die Enttäuschung, klein – ja gar inexistent die Freude am weiteren Verlauf der EM, kurz die Nacht, lang die Liste der erhaltenen, hämischen Whatsapp-Nachrichten. Aber „wir“ gebeutelten Engländer brauchen kein Mitleid. Wir sind uns solche Niederlagen gewohnt. Und wenn unser Team irgendwann mal – ganz ganz ganz sicher –  ein Achtelfinal gewinnen sollte, dann it’s for sure,  werden wir nicht mehr aufzuhalten sein. Ausser, es kommt zu einem Penaltyschiessen, der Goalie floppt oder Roy Hodgson kehrt auf die Bank zurück.

So, jetzt aber die Videos. Sie fassen alles viel besser zusammen als einen Haufen Text. Gefunden auf Twitter.

Wenn Fussball endlich Sinn macht

Auch Katja Hrup macht sich Gedanken über das Fussballspiel und die Euro. Die 39-jährige ist ehemalige WB-Praktikantin und arbeitet heute als Pflegefachfrau HF im Kinderspital in Luzern. Sie hat an der Schule für Linguistik (SAL) in Zürich den Studiengang „Literarisches Schreiben“ absolviert. Ihre literarischen Texte sind auf http://www.textzentrale.ch nachzulesen.

Bildschirmfoto 2016-06-24 um 13.51.31Ich gestehe, ich verstehe von Fussball so viel wie ein Frosch vom Fliegen oder wie «Puma» von der Trikotherstellung. Käme es zu einer Zerreissprobe, ich würde ebenso wie die Hightech-Textilfasern der viel zu engen Hemdchen der Schweizer Nati versagen.

Bei einer Schwalbe denke ich an einen Vogel, der noch längst keinen Sommer macht. «Tschackaaa!» verbinde ich mit einem Freudeschrei und garantiert nicht mit einem Namen. Der Ecke eine Standardsituation abzugewinnen, wage ich als miserable Erziehungsmethode zu bezeichnen und bei Packing verstehe ich Post. Stellte man mich auf den Platz, wäre ich innert kürzester Frist stolze Besitzerin einer roten Karte. An Regeln halte ich mich nicht gerne – sollte ich sie denn überhaupt kennen.

Unlängst habe ich mich gefragt, weshalb ich mich bei der Fussball-EM dann doch dazu hinreissen lasse, den Sportkanal zu wählen? Weshalb ich dabei zusehen muss, wie Männer über den Platz rennen, sich ineinander verhaken wie zwei «Lismernadeln» bei der Linksmasche? Wie sie sich hingebungsvoll auf dem Rasen ausrollen, als wären sie der Rasen selbst? Und noch schlimmer: Weshalb ich dies auch noch kommentieren muss, so, als würde ich tatsächlich etwas von Fussball verstehen?

Vielleicht liegt es daran, dass ich zwischenzeitlich in diesen Meisterschaftsanlässen einen Hauch von Sinn erkenne. So glaube ich, dass die Mannen auf dem Platz vielmehr Repräsentanten ihrer Nationen als Sportler, dass sie zu ausserordentlich gut bezahlten Statisten verkommen sind. Wie kleine Marionetten, deren Fäden ein unsichtbarer Dritter in der Hand hält. An solchen Anlässen geht es wohl nicht mehr nur um das Spiel an sich, sondern eher um das Drumherum. Um Politik. Gewinn. Um Macht. Dies müssen die einzig wahren Gründe sein. Nur so lässt sich bei mir ein «Grümpelturnier» solch exorbitanten Ausmasses rechtfertigen. In der Tat, ich halte mich vor dem Fernseher auf, um die Spielstrategie der einzelnen Nationen in den politischen Kontext zu setzen. Kann glauben wer will, deshalb:

  • Schweiz: Ewig defensiv, gibt sich immer wieder mit dem gut schweizerischen Kompromiss des Unentschiedens zufrieden. Grenzen werden schön abgesteckt. Man will ein bisschen mitspielen aber doch nicht ganz. Sicherheit geht vor. Das hart erarbeitete Ansehen soll schliesslich nicht leiden. Auch so kann man irgendwie weiter kommen.

  • Russland: Scheint gerne zu markieren. Die Fangemeinde verdrischt neben dem Platz auch mal andere Menschen, ist ja nichts dabei, randaliert bis zur Inhaftierung. Sie riskiert eher einen Ausschluss ihres Teams aus dem Turnier als sich mit Interesse daran zu beteiligen. Revolte hält bei Laune. «No risk, no fun» die Devise.

  • England: Schwierig. Die Mehrheit hat sich dazu entschlossen die EU-Politbühne frühzeitig zu verlassen. Gegebenenfalls könnte dies Auswirkungen auf die nächsten Spiele der englischen Nationalmannschaft haben. Gut möglich, dass nur 48.1 % der Spieler anwesend sein wird, weil sich die andere Hälfte schon auf dem Nachhauseweg befindet. Ob sich mit dieser Einstellung überhaupt noch Gewinne erzielen lassen, ist fragwürdig.

  • Irland: die ewigen Underdogs. Sind sich gewohnt zu verlieren. Keiner besingt die eigene Niederlage schöner als die Iren. Das Land gebeutelt vom ewigen Auf und Ab, geben die Iren den Glauben an den Schatz am Ende des Regenbogens nicht auf. Des Austritts Grossbritanniens aus der EU wegen, wird sich früher oder später im Norden des Landes wieder eine Grenze durch die Landschaft und die Köpfe der Bewohner ziehen. Die Hoffnung bleibt bestehen, dass sie zumindest ein Lied darüber komponieren werden.

  • Island: Ja, da existiert tatsächlich noch ein Land am äussersten Zipfel Europas. Wer diese Tatsache bereits vergessen haben sollte, wird nun eines Besseren belehrt. Beinahe unauffällig rücken sie sich wieder ins Licht der Öffentlichkeit und beweisen Ausdauer. In der Stille liegt der Wille (oder vielleicht liegt es an den unwirklichen Namen der Spieler).

  • Frankreich: die Gastgeber. Bis anhin nicht gross aufgefallen. Intern scheinen noch viel zu viele Fragen offen. Zu frische Narben, zu viele Verletzungen lassen keine richtige Euphorie aufkommen. Gelähmt scheint das Volk und seine Spieler. «Liberté, égalité et fraternité» bedeutungsschwere Wore. Eine Bürde, die es zu tragen gilt.

Nun, von mir aus können sie so lange sie wollen weiter rennen, die Spieler dort auf dem grünen Rasen, eigens für sie ausgerollt, weit weg vom Weltgeschehen und trotzdem irgendwie ganz nah dran. Und wenn es heisst: «Tooooooooor!!!!!! 1:0 für…» dann interessiert es mich nicht, ob die Sieben ein Ronaldo ist oder sonstwer, sondern ob die Nummer 7, die gerade ein Tor erzielt hat, fähig ist, in einem Team zu spielen, den Erfolg nicht nur für sich selbst einzustecken. Fairplay eben. Wer das kann, hat sowieso gewonnen.

PS: in mein Herz hat sich die Fangemeinschaft der Iren gespielt. Die wirklichen Champions der EM 2016. Hoffen wir, dass es so bleibt.